Vor vielen Jahren wollte ich ein neues Set Beanbags, um damit zu lernen fünf Bälle zu jonglieren. Ich war ein armer, hungernder ex-Student und konnte mir die Wildeder-Beanbags, auf die ich ein Auge geworfen hatte, nicht leisten. Also entschloss ich mich zu versuchen meine eigenen Bälle zu machen. Sie wurden gut. Ein paar Jahre später zeigte ich Ben Beever ein Set davon, welcher sagte, 'Yeah, ich nehm fünfzehn'. Alsbald Ben sein Set hatte, wurden die 'Barnesy Bags' berühmt (oder zumindest unberühmt) und die Nachfrage stieg ins unermessliche. Eine Zeit lang konnte ich der Nachfrage stand halten, habe aber festgestellt, das es mich zu viel Zeit kostet und habe deshalb aufgehört Bestellungen anzunehmen.
Deshalb diese Seite. Die Bälle sind recht leicht zu machen. Ich habe keine herausragenden Näh-Fähigkeiten, trotzdem sehen die Bälle gut aus und halten ziemlich viel aus. Es wird ein bisschen Übung brauchen, aber nach 10 Bällen wirst du hoffentlich genug gelernt haben, um gute Bälle zu machen.
Diese Anleitung basiert auf den Erfahrungen, die ich beim Bälle machen gesammelt habe. Es kann also sein, das du ein bisschen experimentieren musst, wenn du andere Vorraussetzungen hast als ich. Ich hoffe aber das dir diese Seite alle Informationen gibt, die du brauchen wirst.
Nähmaschine oder von Hand nähen?
Ich benutze eine Nähmaschine. Die Maschine ist nichts besonderes – es ist bloß eine traditionelle Singer. Du könntest mit Leichtigkeit auch von Hand nähen, aber ich empfehle dringend eine Nähmaschine. Eine Nähmaschine zu bedienen ist nicht schwer und die Qualität und die Geschwindigkeit sind wesentlich höher als die Ergebnisse die du wahrscheinlich beim Nähen von Hand erzielst. Wenn du wirklich nicht mit einer Nähmaschine umgehen kannst, kannst du dann vielleicht jemanden finden der das Nähen für dich übernimmt?
Material
Ich habe im Laufe der Jahre mit vielen verschiedenen Materialien experimentiert. Ich habe Baumwolle ausprobiert, Jeans, diverse PVC-Typen, Leder, Wildleder und verschiedene synthetische Materialien. Das beste Material das ich finden konnte war ein sehr eng gewebter Synthetik-Stoff (wahrscheinlich Nylon). Er ist dünn, aber extrem stark und er dehnt sich nicht oder franst aus. Die Aussenseite fühlt sich an wie Wildleder. Die Leute in dem Laden, in dem ich einkaufe, meinen er heißt Suedette [von „Suede“ – Wildleder], aber sie schienen sich nie sicher zu sein!
Verschiedene Dinge sind beim Kauf des Materials zu beachten. Die wichtigsten sind:
Oberfläche - Es ist wichtig das die Bälle sich gut anfühlen!
Dehnbarkeit - Ich habe nie gute Erfahrungen mit dehnbarem Material gemacht. Ich empfehle Material zu suchen, das nicht dehnbar ist.
Farbe - Die Farbe ist nicht das Wichtigste. Ich benutze das Material weil es sich gut anfühlt, nicht wegen der Farben in denen es das gibt. Aber wenn du eine schöne Farbe bekommen kannst ist das nur besser!
Stärke - Manche Materialien sehen gut aus, sind aber nicht stark genug den Beanspruchungen eines Jonglierballs stand zu halten. Bevor du dir zu sicher wirst ist es eine gute Idee, die ersten Bälle die du mit einem neuen Stoff machst extrem zu belasten. Wenn ich Stoff kaufe, versuche ich vorher immer eine kleine Probe davon zu bekommen.
Dicke - Es ist besser dünnes Material zu verwenden. Du musst ziemlich dünnes Material verwenden, damit die Nähte sich glatt biegen. Wenn das Material zu dick ist, wirst du an den Nähten harte Kanten haben.
Garn
Du brauchst gutes, festes Garn. Ich benutze Gutermann Polyester-Garn und hatte damit niemals Probleme.
Muster
Ich habe aus einigen Gründen meine Muster nicht auf dieser Seite eingefügt. Erstmal sind sie nicht perfekt! Für mich reichen sie aus, aber ich kann nicht garantieren das du sie ohne Modifikation verwenden kannst. Ausserdem glaube ich das ein wichtiger Teil der Herstellung eigener Bälle das experimentieren mit verschiedenen Mustern ist. Um meine Muster zu machen habe ich die Vorlage für Vier-Panel-Bälle von
dieser Seite gedownloadet (Thanks to the Coulee Region Jugglers and Unicyclists) und sie modifiziert.
Ich nähe Beanbags indem ich die Kante des Fußes der Maschine als Führung nehme. Diese Methode beschleunigt die Angelegenheit, weil ich nicht mehr eine Linie für die Naht vorzeichnen muß (wie ich das vorher gemacht habe). Das heißt das alles was ich vom Muster, auf das oben gelinkt wird, wollte, die gepunktete Linie war die mir die Form zeigte, wie meine Vorlagen aussehen mussten. Ich habe das Bild in ein einfaches Grafikprogramm geladen und veränderte die Größe bis sie so war, wie ich sie wollte. Ich änderte die Breite und die Höhe und machte Probe-Bälle bis ich mit der Größe zufrieden war. Die untenstehende Tabelle zeigt die Dimensionen der Vorlagen die ich für die drei größen die ich herstelle verwende. Beachte das es die Größen der Einzelteile sind, nicht die Nahtgröße. Ich ziehe die Nähte konstant 5mm von der Kante des Materials entfernt.
Größe
Höhe
Breite
50g
(unter-befüllt)
90mm
50mm
80g
100mm
55mm
110g
105mm
60mm
Wenn ich ein Muster habe, das ich benutzen will, drucke ich es aus, klebe es auf ein Stück Pappe und schneide es dann aus. Dann habe ich eine Vorlage, mit der ich das Material markieren kann.
Füllung
Ich benutze Hirse als Füllung. Das gibt es in Zoohandlungen und es ist billig. Die meisten Beanbags auf dem Markt sind mit Hirse gefüllt. Hirse hat einen gleichmäßig geformten Samen, was enorm dazu beiträgt das der fertige Beanbag sich gut anfühlt. Der einzige Nachteil an Hirse ist das die Bälle nicht abwaschbar sind, aber ich habe keine Plastikfüllung gefunden die auch nur annähernd so gut wäre. Ich benutze eine elektronische Küchenwaage um sicher zu stellen das das Gewicht jeden Balles exakt ist.
Nähvorgang Schritt für Schritt
Die vier fertig ausgeschnittenen Stücke. Das wird ein zweifarbiger Beanbag, um es ein bisschen einfacher zu machen alles zu sehen.
Die ersten zwei Panele nach der ersten Naht. Beanbags werden mit der Innenseite nach außen hergestellt, das Foto zeigt also die Innenseite. Beachte das die Enden des Garns alle an einem Ende des Balls sind, weil ich jede Naht doppelt nähe. Du musst das nicht so machen, ich habe es aber immer gemacht damit ich sicher sein kann, das die Nähte stark genug sind. Es ist sehr wichtig das die Einzelteile nicht verrutschen, wenn du sie durch die Maschine schiebst. Das ist der schwierigste Teil der Herstellung eigener Bälle, kann aber mit ein bisschen Übung gemeistert werden.
Jedes Mal wenn du ein Panel hinzufügst, folge diesen Anweisungen um sicher zu sein das die Panele nicht verrutschen:
Hebe den Fuß und die Nadel der Nähmaschine an.
Lege die Spitzen von zwei Panelen aufeinander und in die Maschine.
Senke den Fuß der Nähmaschine.
Laß die Nadel der Nähmaschine durch das Material stechen, ohne zu nähen, damit die zwei Teile übereinander liegen und fixiert sind. Ziele auf den Punkt an dem im Foto die Nähte beginnen.
Hebe den Fuß der Nähmaschine.
Lege die anderen Enden der Panele übereinander, und stele sicher das die Kanten der Panele übereinander verlaufen.
Senke den Fuß der Nähmaschine wieder.
Jetzt bist du bereit zu nähen.
Um den Beanbag für die nächste Naht durch die Maschine zu bekommen, musst du den Stoff so falten, wie es auf dem Foto gezeigt ist. Wenn du den Stoff so faltest, kommst du leicht an das (in diesem Beispiel) dunklere Panel, um die nächste Naht zu ziehen.
Der Ball nach dem Nähen der zweiten Naht. Von hier an musst du den Stoff wie vorher falten, so das du auf einer Seite nur eine Lage Stoff hast, um dort die nächste Naht setzen zu können. Wiederhole diesen Schritt dann mit dem nächsten Panel um die dritte Naht auf gleiche Weise zu ziehen.
Der Ball nach dem Nähen der dritten Naht. Er ist so gefaltet das du alle Panele sehen kannst. Du kannst die letzte Naht ziehen indem du das helle Panel im Bild über das dunkle Panel faltest. Vergiss nicht das du ein Loch in der letzten Naht lassen musst, damit du den Ball umkrempeln und auffüllen kannst. Ich werde nicht verraten wie oft ich diesen Teil vergessen habe!
Der Beanbag nachdem die letzten zwei Nähte genäht wurden. Das Loch muß groß genug sein, um den Ball umzukrempeln und groß genug um einen Trichter zum auffüllen hinein zu stecken. Ich setze das Loch meistens ziemlich nahe am Ende, weil es so ordentlicher aussieht. Beachte auch das das überschüssige Garn ordentlich verknotet ist. An diesem Punkt ist es eine gute Idee den Ball an beiden Enden ein paar Mal zu vernähen. Das ist noch so eine Sache, die ich immer gemacht habe und deshalb nicht ändern würde. Es hilft potentiellen Schwachstellen des Balles vorzubeugen.
Den Ball umkrempeln. Der einfachste Weg, das zu machen, ist es den gegenüberliegenden Punkt durch das Loch zu drücken. Dies ist der Punkt an dem du feststellen wirst, ob das Loch das du gelassen hast groß genug ist!
Der gefüllte Ball, bereit zur Fertigstellung. Ich benutze einen Trichter um den Ball zu füllen. Wenn du eine straffe Füllung wünschst oder du dehnbares Material verwandt hast, ist der Griff eines Holzlöffels eine gute Hilfe um die Samen in den Ball zu drücken. Ich bevorzuge das nicht zu machen, weil ich eine weichere Füllung bevorzuge.
Ta-ta! Der fertige Ball. Der letzte Schritt ist es, die Naht von Hand zu vollenden. Dieser Teil braucht ein bisschen Übung, ist aber ziemlich einfach zu erlernen. Merkwürdigerweise ist der von Hand genähte Teil der einzige, an dem man die Naht nicht sieht! Ich benutze doppelt gelegtes Garn dafür, um die Naht ein bisschen stärker zu machen. Der Trick bei der letzten Naht ist es, entlang der Naht zu nähen, wenn die Nadel im Ball ist, und die Naht direkt zu kreuzen, wenn die Nadel außerhalb des Balls ist. Dadurch werden die Stiche nahezu unsichtbar. Ich überlasse es dir herauszufinden wie man die Knoten macht, weil es zu schwer zu erklären ist, wie ich es mache!
Zögere nicht, mich zu kontaktieren, indem du mir eine e-Mail an webmaster@2diabolo.net schickst, wenn du irgendwelche Fragen hast, die auf dieser Seite nicht beantwortet wurden. Ich würde mich auch freuen zu hören das ihr diese Anleitung verwendet habt. Besonders wenn ihr gute Ergebnisse erzielt habt!