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Siteswap-Jongliermuster verstehen - Eine Anleitung für die verblüfften

Greg Phillips - 2nd December, 2001.

greg.phillips@juggler.net

Diese Anleitung kam als Handzettel für einen Workshop, den ich beim Kingston Juggling Festival 2001 gab, zur Welt. Mein Ziel war es eine kurze Zusammenfassung anstelle einer kompletten Anleitung zu machen, ich hoffe es ist mir gelungen. Zum ausdrucken gibt es diese Seite auch als Adobe Acrobat Datei, in den Größen DinA4 oder Letter ( ! Englische Version !). Danke an Michael Ferguson und Todd Strong für deren Kommentare zu früheren Ausgaben. — Greg

Grundregeln (für alle Muster)

G1 Wir stellen uns einen Metronom vor, der in gleichmäßigem Abstand tickt. Jedes Ticken ist ein „Beat“.
G2 Wir geben jedes geworfene Objekt mit einer Ziffer an, die uns angibt wieviele Beats später das Objekt wieder in einer Hand gelandet ist und bereit ist wieder geworfen zu werden.
G3 Wir stellen eine Sequenz von Würfen mit einer Reihe von Zahlen (plus Satzzeichen und den Buchstaben x) dar. Wir stellen uns vor das sich diese Reihen unendlich wiederholen würden, was 531 gleichbedeutend mit ...531531531... macht. Auch 315 und 153 verhalten sich so — kannst du erkennen warum?
G4 Die Summe aller Würfe einer Siteswap-Reihe, geteilt durch die Anzahl der Würfe in der Reihe, ergibt die Anzahl der verwendeten Objekte. Diese muss immer eine glatte Zahl sein. 531 ist ein Dreiballtrick, da (5+3+1)/3 drei ergibt; dagegen kann 532 nicht jongliert werden, weil (5+3+2)/3 Drei ein Drittel ergibt.
G5 Die Würfe müssen im Gleichgewicht mit den Fängen stehen. Nach der Regel G4 scheint 432 ein Dreiballtrick zu sein — aber es kann nicht jongliert werden, weil die 4, die 3 und die 2 alle gleichzeitig zurückgeworfen werden müssten. Wenn wir aber die Zahlen verdrehen, kommen wir auf 423, was jongliert werden kann — probier es aus!

Die Zahlen verstehen

Bei jeder möglichen Beat-Geschwindigkeit bedeuten höhere Zahlen auch höhere Würfe. Ein schneller Beat bedeutet niedrigere Würfe für alle Zahlen. Du kannst die Zahlen etwa so deuten:

  • 0 — eine leere Hand
  • 1 — ein schneller Querpass, wie in einem Shower
  • 2 — ein kurzer “Wurf zur selben Hand” (normalerweise einfach nur halten)
  • 3 — ein Drei-Ball Kaskadenwurf
  • 4 — ein Vier-Ball Fontänenwurf
  • 5 — ein Fünf-Ball Kaskadenwurf... und so weiter, bis hoch zur 9, und dann
  • a — ein Zehn-Ball Fontänenwurf (schreib a anstelle von 10, dann bekommst du eine “Zehn” auch nicht mit einer „Eins-Null“ durcheinander; ließ a als "Zehn")
  • b — ein Elf-Ball Kaskadenwurf… und so weiter
Asynchrone Siteswaps (abwechselndes Werfen)

Viele Jongliertricks basieren auf abwechselnden Würfen mit Rechts und Links. Das beschreiben wir mit asynchronen Siteswaps.

A1 Die rechte und linke Hand werfen auf abwechselnde Beats.

Die Regeln G2 und A1 zusammen bedeuten das ungerade-bezifferte Würfe in der gegenüberliegenden Hand landen müssen, während gerade Zahlen in der selben Hand bleiben. Hier sind ein paar Beispiele für asynchrone Siteswaps:

  • 3 — eine Drei-Ball Kaskade
  • 42 — zwei Bälle in einer Hand jonglieren und einen weiteren in der Hand halten
  • 330 — eine Drei-Ball Kaskade mit einem Loch (2 Bälle)
  • 51 — ein Drei-Ball Shower
  • 53 — ein Vier-Ball Half-Shower
  • 64 — drei Bälle in einer Hand mit der einen und zwei Bälle in einer Hand mit der anderen (Beides auf der regulären Höhe — das ist hart)
  • 73 — ein Fünf-Ball Half-Shower (der schwerere!)
  • 615150 — ein Drei-Ball Shower mit einem “Leck”
Synchrone Siteswaps (simultane Würfe)

Bei einigen Jongliermustern müssen beide Hände gleichzeitig werfen. Wir beschreiben das mit synchronen Siteswaps.

S1 Die rechte und linke Hand werfen gleichzeitig (was als zwei Würfe zählt) bei jedem zweiten Beat. Wir gruppieren simultane Würfe zwischen Klammern und trennen sie darin mit Kommas.
S2 Wir kennzeichnen Würfe die von Hand zu Hand kreuzen mit einem x (für crossing - 'xing').

Die Regeln G2 und S1 zusammen bedeuten das nur gerade Zahlen in synchronen Siteswaps gültig sind. Erkennst du warum? Die x Notation aus Regel S2 wird benötigt um Muster wie (4,4) (synchrone Fontänen) von (4x,4x) (synchrones kreuzen) unterscheiden zu können. Im gegensatz zu einer 2 muss ein 2x immer geworfen werden, da der Ball ja die Hand wechseln muss. Hier ein paar Beispiele:

  • (4,4)(4,0) — Drei-Ball Säulen (auch bekannt als ‘Two Up, One Up’)
  • (4,2) — erscheint identisch mit 42 — Dem Fake, Dem Yo-yo, etc.
  • (4,2x)(2x,4) — The Box
  • (6x,4x) — der leichtere Fünf-Ball Half-Shower
  • (6,6)(6,6)(6,0) — Enrico Rastelli, wie er fünf Teller jongliert
Multiplex Würfe

Sowohl bei den abwechselden, als auch bei den synchronen Würfen, können wir mehrere Objekte aus einer Hand gleichzeitig werfen.

M1 Mehrere Objekte, gleichzeitig aus einer Hand geworfen, zählen als ein Wurf. Wir fassen deren Zahlen in eckige Klammern ein.

Wenden wir G4 und M1 auf den Siteswap [33] an, summieren wir die Ziffern der gleichzeitigen Würfe (3+3) und teilen die Summe durch die Anzahl der Abwürfe (einer), ergibt das sechs — das bedeutet das [33] ein Muster für sechs Objekte ist. Beachte das bei multiplex Würfen zweien fast immer geworfen werden. Ein paar multiplex Beispiele:

  • [33] — sechs Bälle als Zweierpaare im Drei-Ball-Kaskadenmuster
  • 4[43]1 — eine nette Vier-Ball Variante von 441, auch sehr lustig
  • [32] — Fünf-Ball Splits
  • ([44],[44])(4,0) — Four Up, One Up
Ein paar Siteswaps die es wert sind gelernt zu werden

Hier ein paar einfache aber lustige Siteswap-Muster:

501, 423, 441, 4413, 531, 5313, 534, 55244, 561, 633 (leichter wenn sie sechsen gebounct werden), [33]33, [33][33]3, [33], [43]1421, 4[43]1, [32], (4,4)(4x,4x)

Übungen für Fünf: 50500, 52512, 55500, 50505, 552, 55550

Was uns Siteswaps nicht zeigen können

Die Siteswap-Notation zeigt uns nicht wie ein Wurf gemacht wird; Mills Mess hat zum Beispiel ein Siteswap von 3, was das geschmeidige Armeverschränken, das den Trick so schön anzugucken und zu jonglieren macht, komplett ignoriert. Auf der anderen Seite ist es nützlich zu wissen das Burkes Barrage und Scheibenwischer beide als 423 jongliert werden. Obwohl es nicht alles erklären kann, wünsche ich fröhliches Jonglieren!